Realisierte Projekte

HAPPY NEW EARS - MUSIKTHEATER FÜR JUNGES PUBLIKUM

MUSIKTHEATERFESTIVAL »HAPPY NEW EARS« BEGEISTERTE KLEINE UND GROSSE ZUSCHAUER IN MANNHEIM

Mehr als 200 europäische Künstler, 170 internationale Kongressteilnehmer und mehr als 5100 Besucher beschenkten die Junge Oper des Nationaltheater Mannheim zu ihrem zehnjährigen Bestehen mit einem bunten Fest der Klänge.m2b

Acht Tage lang bespielte die Junge Oper mit »Happy New Ears. Musiktheater für junges Publikum«, das am heutigen Sonntag endet, verschiedene Spielstätten des Nationaltheater Mannheim, die Alte Feuerwache und das Foyer des Collini-Centers mit Musiktheater für Kinder und Jugendliche und Klangperformances für ein erwachsenes Publikum.

N2bBegleitet wurde das Festival von einem dreitägigen internationalen Kongress des Kinder-und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland. 170 praktizierende und angehende Künstler aus Komposition, Libretto, Musik, Gesang, Regie, Dramaturgie und Bildender Kunst sowie Kollegen und Studierende aus Lehre, Forschung, Kunstvermittlung und -förderung waren dazu eingeladen, Fragen, Positionen und Diskurse zu aktuellen Entwicklungen, Zugängen und Ästhetiken im Musiktheater für junges Publikum in den Mittelpunkt einer praxisorientierten Begegnung zu rücken. H2b

Rund 31 Vorstellungen, der Internationale Kongress, drei »Hörbars«, das Stipendiatenprogramm und das kulturjournalistische Nachwuchsprojekt »Gustav« sowie über 20 Workshops für Familien und Schulklassen in der audiovisuellen Installation »Klang Spiel Platz« lockten mehr als 5100 Besucher zu dieser einmaligen Ausgabe des unter dem Titel »Happy New Ears« und der künstlerischen Leitung von Andrea Gronemeyer konzeptionierten Festivals.

Der Golem

Einer jüdischen Sage nach schuf ein Rabbiner im 17. Jahrhundert einen künstlichen Menschen aus Lehm. Der Golem, zunächst als Diener gedacht, bekam unvermittelt ein Eigenleben. Im Abschnitt von 33 Jahren taucht er seitdem im Prager Getto wieder auf. Athanasius Pernaths Leben bricht aus den Fugen: Er wird in reale Intrigen hineingezogen, erlebt Halluzinationen und gerät in spiritualistische Verwicklungen. Hierbei stößt er mit dem gerissenen Trödler Aaron Wassertrum zusammen, der in Wahrheit steinreich ist und das Getto beherrscht. Charousek, der illegitime und verstoßene Sohn des Trödlers, berichtet Pernath von seinen Racheplänen gegenüber dem Vater, den er gnadenlos bis in den Tod hinein verfolgt. In dieser Atmosphäre von Hass und Betrug findet Pernath Linderung in der Gegenwart von Rabbiner Schemajah Hillel und seiner Tochter Mirjam. Für Hillel ist es nicht außergewöhnlich, dass Pernath nachts dem Golem begegnet. Aus der Karte eines alten Tarotspiels erzwingt dieser sich Gestalt und erscheint seinem Gegenüber als Doppelgänger.


In Anlehnung an den phantastischen Roman von Gustav Meyrink schuf Peter Missotten als Vorlage kein schriftliches Libretto, sondern einen experimentellen Film. Er dient als Basis für die Neukomposition, so dass die Form der entstehenden Oper nicht mehr von literarischen Parametern geprägt ist, sondern von optischen Wirkungsmechanismen. Hieraus ergeben sich neue, im herkömmlichen Musiktheater ungewohnte Formen. Bernhard Lang nutzt sie, um mit unterschiedlichen instrumentalen sowie vokalen Effekten zu arbeiten und Anregungen verschiedener Genres in das Werk einfließen zu lassen.

Das Video-Libretto wurde mit freundlicher Unterstützung der Flämischen Regierung erstellt.

Uraufführung am 16. April 2016

Der Idiot

DER IDIOT_06Die Stiftung Nationaltheater Mannheim unterstützte in der Spielzeit 2012/2013 die Uraufführung der Oper „Der Idiot“ von Mieczyslaw Weinberg. Er und sein Librettist Alexander Medwedjew haben mit dem Idiot ein Opernwerk im besten, durch und durch klassischen Sinne geschaffen. Mit der Uraufführung von Mieczysław Weinbergs Oper Der Idiot nach dem gleichnamigen Roman von Fjodor Dostojewski startete das Nationaltheater einen Dostojewski-Schwerpunkt, der mit der Uraufführung von Adriana Hölszkys Böse Geister seine Fortsetzung fand.

 

Bei der Kritikerumfrage 2013 der Fachzeitschrift Opernwelt wurde Der Idiot zur Uraufführung des Jahres gewählt.Der junge Fürst Myschkin kehrt nach einem langjährigen Klinikaufenthalt in der Schweiz mittellos nach Sankt Petersburg zurück und trifft im Zug auf den reichen Rogoshin, der von einer dunklen Leidenschaft für Nastassja, eine »gefallene« Frau, getrieben ist. Der haltlose, durch seine Krankheit realitätsferne und naiv an das Gute im Menschen glaubende Fürst, der als eine Art russischer Don Quichotte gezeichnet ist, verfällt Nastassja ebenfalls, aber auf andere Art: Er will sie retten. Zwischen ihr und der jungen Aglaja wird er selbst Teil eines Geflechts von materiellen und sexuellen Abhängigkeiten, von Verletzungen, Besessenheit und Beziehungsunfähigkeit, das schließlich mit Rogoshins Mord an Nastassja endet. Myschkin erstarrt in den Armen des Mörders in einem Zustand zwischen Wahn und Zärtlichkeit.

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Der Idiot ist Mieczyslaw Weinbergs letzte Oper, entstanden 1986/1987 und wurde bisher nur in einer reduzierten Version aufgeführt. Weinbergs Idiot verdichtet Dostojewskijs gleichnamigen »polyphonen« Roman zu einer sprunghaften Folge von Bildern auf einer Simultanbühne, die auch epische Kommentare einschließen.

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Der polnisch-jüdische Komponist Weinberg (1919 -1996), der durch den Nationalsozialismus seine Familie verlor, nach Russland floh und dort später wiederum der stalinistischen Verfolgung ausgesetzt war, gehörte bis vor kurzem zu den zu Unrecht vergessenen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er hat ein beachtliches Gesamtwerk hinterlassen und gilt seit einer beeindruckenden Renaissance in den letzten Jahren heute neben Schostakowitsch und Prokofjew als einer der wichtigsten Komponisten der Sowjetunion.

Uraufführung am 9. Mai 2013

“Superflumina”

superflumina01Die Stiftung Nationaltheater Mannheim unterstützt im Jahr 2011 die Produktion „Superflumina“ von Salvatore Sciarrino. „Superflumina“ ist das erste Werk der „Dreifachreihe Auftragskompositionen Gegenwartsoper“. Unter diesem Arbeitstitel hat die Oper des Nationaltheaters Mannheim, neben der erfolgreichen Auseinandersetzung mit Werken der Mannheimer Schule, eine "Neue Mannheimer Schule" ins Leben gerufen. Salvatore Sciarrino gehört zu den zeitgenössischen Komponisten, die maßgeblich zur Erneuerung des Musiktheaters in unserer Zeit beigetragen haben.

„Die Einsamkeit ist nichts als die Oberfläche des Verlassen-Seins. Dieses verursacht noch tiefere Wunden, unsichtbare, deren Spuren sich verloren haben: Dieser Schrei kann wie eine Katastrophe in jedem von uns erwachen, in jedem Moment.“
(Salvatore Sciarrino)

Der Schauplatz von Sciarrinos neuem Musiktheater nach einem lyrischen Roman von Elisabeth Smart ist ein großer Bahnhof. Ein Ort kollektiver Ströme und Wanderungen, des Ineinanders von Masse und Vereinsamung. Ein Ort vergrößerter Geräusche, ein Sammelbecken für die Heimatlosen. Die Protagonistin ist eine Frau, die obdachlos und verloren scheint und eine schmerzdurchwachte Nacht erlebt: Sie spricht in Rätseln, bleibt ungehört oder unverstanden, wir erleben einzig Fragmente ihrer Geschichte und ihrer Begegnungen.

Sciarrinos unverwechselbare Klangsprache, die oft die Grenzen des Klangs abtastet, verbindet sich mit einer neuartigen Dramaturgie. Flüsternde Klänge und vokale Andeutungen entspinnen eher innere als äußere Geschichten. Das Fragmentarische, Zögerliche, manchmal zeitlos Schwebende ersetzt vordergründige Theatralik und Aktion. Das Unterdrückte scheint wesentlicher als das Ausgedrückte, die Andeutung wichtiger als das Eindeutige. So umkreisen seine Musiktheaterwerke oft innere Räume oder scheinbar eingefrorene Gefühle. In einer immer lauter und schneller werdenden Welt schafft Sciarrinos Musiktheater Räume der Aufmerksamkeit und der Konzentration für Menschen und Ereignisse, die wir gerne übersehen und überhören.

Uraufführung am 20. Mai 2011

"Die Nachtigall"

nachtigall02Die Stiftung Nationaltheater unterstützte im Jahr 2010 die Produktion der Jungen Oper „Die Nachtigall“ von Theo Loevendie nach dem gleichnamigen Roman von Hans Christian Andersen.

So lieblich singt die kleine graue Nachtigall, dass dem Kaiser Tränen in die Augen treten. Sein Diener und der gesamte Hofstaat sind ebenfalls entzückt. Doch dann bekommt der Kaiser eine funkelnde künstliche Nachtigall geschenkt, die auch schön singen kann und sehr taktfest ist – kann sie die echte Nachtigall ersetzen?

Drei Schauspieler und sieben Instrumentalisten erzählen die farbenreiche Geschichte mit Musik und Sprache in einer für die Junge Oper eingerichteten szenischen Fassung. Die szenische Fassung integriert die Instrumentalisten als Musikdarsteller und Hofstaat des Kaisers und schafft eine enge Verbindung von Musik, Sprache und Szene, so dass die Handlung auf vielen Ebenen zu erleben ist.

Das Märchen beeindruckt durch ein Bewusstsein für die technische Moderne auf der einen Seite und Begeisterung für die Lebendigkeit der Natur und die Besonderheit einer  individuellen Sprache auf der anderen. In der Figur der Nachtigall spiegeln sich die Möglichkeiten, Träume und Gefahren des Aufbruchs in die Moderne, die auch heute noch in vielfältiger Art und Weise unser Leben bestimmen.

Die Premiere wurde am 24. April 2010 gefeiert."

Das "Schnawwl-Jubiläum"

Festschrift anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Schnawwl

ft3Der Schnawwl feiert in der Spielzeit 2009/2010 sein 30-jähriges Jubiläum und gehört somit nicht nur deutschlandweit zu den Pionieren eines neuen Jugendtheaters, sondern stellt in Baden-Württemberg tatsächlich die erste Gründung einer solchen Sparte in einem kommunalen Theater dar. Anstelle eines Festakts ist eine Festschrift entstanden, deren Gegenstand nicht nur Geschichte und Gegenwart des Schnawwl selbst ist, sondern die gegenwärtige künstlerische Situation des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland insgesamt. Eine derartige Gesamtschau, für die sich in den letzten Jahren rasant entwickelnde Theatersparte, ist bisher auf dem Buchmarkt einmalig.

Die Herausgeber wollen den vielen Zuschauern und Fans des Schnawwl damit ein besonderes Geschenk machen. Gleichzeitig stellt das Kompendium einen nachhaltigen und wertvollen Beitrag für alle Schaffenden und Schauenden im Kinder- und Jugendtheaterbereich dar.
Das Werk vereint eine große Breite an Themen rund um die Sparte. Schöne Aufführungsfotos von Inszenierungen aus 30 Jahren Schnawwl komplettieren das Bild und vermitteln einen ebenso lebhaften wie exemplarischen Eindruck von den Facetten und Strömungen des Jugendtheaters in dieser Zeit.
Die Stiftung Nationaltheater Mannheim leistete ihren Beitrag zu dieser Festschrift in Form einer finanziellen Unterstützung im Jahr 2009.

"Riech mal wie das klingt"

Die Junge Oper-Produktion "Riech mal wie das klingt"

Das zweite Projekt der Jungen Oper, das die Stiftung unterstützt, wendet sich an Zuschauer und Zuhörer im kindlichen Alter ab drei Jahren. Sie werden gefragt: Wie klingt Papier? Kann die Stimme Wasser sein? Welchen Rhythmus machen Federn? Klingen Blätter? Kann man Klänge riechen? - Im Spiel mit den Übergängen von Geräusch und Klang, von Laut und Sprache, von Alltagsgegenstand und Instrument verbinden sich die Interessen des zeitgenössischen experimentellen Musiktheaters mit denen der kleinsten Zuschauer: die Umgebung und sich selbst erkunden, der Welt und sich selbst ungewohnte Klänge entlocken, mit Material und Körper Musik und Theater jenseits der Sprache erfinden – untersuchen, experimentieren und sich überraschen lassen.

Der Komponist Gerhard Stäbler hat zusammen mit einem Team des Nationaltheaters dieses Musiktheater-Projekt für Zuschauer und Zuhörer ab drei Jahren entwickelt, das selbst Experimentalcharakter hat. Stäbler, der sich mit seiner kompositorischen Arbeit auch in pädagogischen, politischen und soziokulturellen Projekten engagiert, ist als Komponist weltweit bei allen wichtigen Veranstaltern der Neuen Musik vertreten und hat zahlreiche Aufträge und Preise erhalten. Mit seinen Kompositionen und Performances, die auf eine Erweiterung unserer sinnlichen Wahrnehmung zielen, überschreitet er häufig den konventionellen Aufführungsrahmen und die Grenzen der Genres.

"Schneewitte"

Die Junge Oper-Produktion "Schneewitte"

schneewitteDie Stiftung hat innerhalb der Sparte Junge Oper des Nationaltheaters zwei Produktionen gefördert, zunächst "Schneewitte", eine Kooperation Mannheims mit dem Jugendtheater Sonnevanck Enschede und dem Staatstheater Oldenburg, sowie "Riech mal wie das klingt".

Die Bearbeitung des Märchenstoffs von Komponist Jens Joneleit und Autorin Sophie Kassies stellt Schneewitte nicht nur als Opfer einer eifersüchtigen Stiefmutter dar. Schneewitte ist dreizehn Jahre alt und steckt mitten in der Pubertät, mit allem was dazu gehört. Sie ist sozusagen eine richtige Prinzessin: anstrengend, fordernd und dennoch gleichzeitig sehr liebenswert. Als kleine Prinzessin, die auf dem Weg zur Königin noch viel lernen muss, ist Schneewitte voller Lebensdrang und Verlangen nach etwas, das sie nur erahnt und noch nicht kennt.

Die Themen des Märchens werden vor dem Hintergrund heutiger Kindheit und Jugend beleuchtet. Die Bearbeitung bewegt sich jedoch gleichzeitig nah an der Originalgeschichte. Der Jäger, die sieben Zwerge und der gläserne Sarg werden selbstverständlich nicht fehlen.

Die Geschichte wird von Musikern, Sängern und Schauspielern erzählt, die ein modernes Musiktheaterstück mit Neuer Musik und Elementen aus Jazz und Pop lebendig werden lassen, in dem sich die Weisheit und der Humor des kraftvollen Grimmschen Märchens offenbaren.

"MozartPrisma"

Das Stipendiatenprogramm des Mannheimer Mozartsommers "MozartPrisma"

akt_vorhaben01Das Stipendiatenprogramm des Mannheimer Mozartsommers "MozartPrisma" wurde in den Jahren 2007 und 2008 von der Stiftung Nationaltheater Mannheim unterstützt.

Der Mannheimer Mozartsommer entfaltet im Nationaltheater Mannheim und in der besonderen Atmosphäre des Schwetzinger Schlosses ein vielfältiges Festivalprogramm mit hochkarätig besetzten Konzerten und Inszenierungen, die vom provokanten Umgang mit den Gattungen des Singspiels und der Opera seria über humorvolle und performative Bearbeitungen bis zum zeitgenössischen komponierten Kommentar reichen.

Begleitend hierzu bietet das Nationaltheater Mannheim das Stipendiatenprogramm MozartPrisma für Studierende der verschiedenen Theater- und Musikberufe an. Unter Mitwirkung renommierter Künstler und Dozenten aus den Bereichen der szenisch-musikalischen Praxis, der Musikwissenschaft, Komposition und Kritik soll ein prismatischer Blick auf Mozarts Schaffen geworfen werden, der die verschiedenen Valeurs seiner Aktualität praktisch und theoretisch beleuchtet.

Vor allem Mozarts Bühnenwerke bieten vielfältige Ansatzpunkte zur aktuellen Auseinandersetzung. Zugleich kann Mozarts außergewöhnliche Produktivität und die Konsequenz in der Ausbildung einer eigenen künstlerischen Sprache, die sich über Konventionen hinwegsetzte, als Vorbild für eine kreative und individuelle Auseinandersetzung mit Traditionen und das Entwickeln neuer musikalischer und theatraler Formen gelten. Von der historisch bedeutenden musikalischen Tradition Mannheims hatte der junge Mozart auf diesem Weg entscheidende Impulse erhalten.

In diesem Sinne bietet das Stipendiatenprogramm Studierenden die Möglichkeit, musikalische, inszenatorische und performative Ansätze im Umgang mit Mozarts Werk in der direkten Auseinandersetzung mit Künstlern, Dramaturgen, Musikwissenschaftlern und Kritikern kennen zu lernen und zu diskutieren sowie ihre eigenen Fragen an die Aktualität Mozarts theoretisch und praktisch zu präzisieren.

Das Stipendium umfasst Aufführungs- und Konzertbesuche der Veranstaltungen des Mannheimer Mozartsommers sowie ein umfangreiches Programm von Künstlergesprächen, Workshops, Vorträgen und Seminaren.